11. Mai 2026
Allein im Jahr 2024 wurden laut Statista mindestens 145 Milliarden Dollar in das KI-Geschäft investiert. Die Situation erinnert an die „Dotcom“-Zeit, in der man nur „Internet“ fehlerfrei aussprechen musste, um als Expertin oder Experte zu gelten. Ein ähnliches Schauspiel lässt sich auch heute beobachten. Mit der Zeit relativiert sich dann alles: Die „New Economy“ ist inzwischen Teil der „Old Economy“ geworden und Namen wie Mark Zuckerberg sind im Mainstream angekommen.
Es bleibt spannend, was die Zukunft bringt, auch für den Landschaftsbau. Hier wird traditionell handwerklich gearbeitet, und man lehnt sich in Sachen Disruption getrost zurück.
„Handwerklich“ heißt nicht „unangreifbar“
Doch stimmt das wirklich? Auch im Landschaftsbau gibt es zahlreiche Routineaufgaben und auch manch komplexe Tätigkeit in Planung und Ausführung kann mithilfe von KI schneller und trotz Halluzinationsgefahr mit weniger Fehlern als bisher gelöst werden. Kaum vorstellbar, wenn künftig einfache Bauarbeiten wie das Pflasterlegen von KI und Robotern übernommen werden. Vielleicht löst sich dann auch endlich der Fachkräftemangel.
Nun könnte man behaupten, dass sich diese Entwicklungen noch lange dauern werden, bis sie in der Praxis ankommen. Aber hier liegt der Unterschied zu anderen bahnbrechenden Entwicklungen in der Vergangenheit: Während die Einführung der EDV in Form von Personal Computern noch fast 30 Jahre benötigt hat und der Einsatz des Internets erst nach rund 15 Jahren die Wirtschaftswelt durchdrungen hatte, überholt sich die Entwicklung im Bereich KI in kürzester Zeit selbst, lässt sich in bestehende Hard- und Softwarestrukturen integrieren und ist so leistungsfähig, dass der Hebel unmittelbar so große Wettbewerbsvorteile mit sich bringt, dass konventionelle Betriebe sehr schnell das Nachsehen haben werden.
Was bremst die Einführung und warum das (noch) schützt
Einzige Bremse ist das mangelnde Know-how in den Betrieben und der Fachkräftemangel, die verhindern, dass vorhandenes Wissen und Entwicklungen schnell zur Anwendung kommen. Zum Glück ist die Bauwirtschaft überwiegend lokal geprägt, sodass Bauunternehmen mit mehr Fachkräftepotential bzw. Know-how nicht ohne weiteres aus dem Ausland am deutschen Markt tätig werden und so die Disruption vorantreiben können.
Die aktuelle Diskussion und das öffentliche Interesse zeigen aber: Es braucht eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema sowie ein planvolles Vorgehen bei der Einführung von KI-Lösungen.
Beispiel aus der Praxislogik: „Nachtrag“ unter Druck
Ein Beispiel, das perspektivisch das Geschäftsmodell „Nachtrag“ gefährden könnte, sind KI-Prüfassistenten beim Erstellen von Leistungsbeschreibungen. Bauunternehmen, auf der anderen Seite, prüfen bereits Ausschreibungsunterlagen mithilfe von KI gezielt auf Lücken, um Nachtragspotenziale zu erkennen. Wird dies zu einer integrativen Management-KI ausgebaut, können wesentliche Aspekte des Projektcontrollings unterstützt werden.
Einige der baubetrieblichen Risiko-„Evergreens“, wie Kalkulation und Projektcontrolling, aus denen bei mangelnder Sorgfalt oder Kompetenz die größten finanziellen Schäden für Bauunternehmen entstehen, könnten mithilfe von KI-Anwendungen künftig der Vergangenheit angehören. So ließe sich der Fokus auf wichtigere und anspruchsvollere Aufgaben legen, die das Bauen insgesamt besser, effektiver und günstiger machen.
KI-Potenzialbereiche: Agenten, Koordination, Effizienz
Besonders effektiv können Agenten sein, die einzelne KI-Anwendungen koordinieren und selbständig Aufgaben ausführen. Allein im Bereich Akquisition, Bauleitung und Verwaltung lassen sich damit bereits heute rund 30 % der Personalkosten einsparen. Im Hinblick auf die typische Kostenstruktur in Garten- und Landschaftsbaubetrieben, bei denen 7–8 % an der Leistung Gemeinkostenpersonal (inkl. Bauleitung) ausmacht, ergibt sich eine Ergebnisverbesserung von 2–3 Prozentpunkten.
Die Masse der möglichen Tools, die Schnelligkeit der Entwicklung und mangelndes Know-how überfordern allerdings noch viele Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer. Daher ist es wichtig, die KI-Einführung strategisch zu planen, Ansatzpunkte zu identifizieren, die den größten Effekt erzielen, Mitarbeitende einzubinden und ggf. zu schulen, einen Plan zu erstellen und diesen schrittweise umzusetzen.