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Portrait Heiko Meinen

Controlling, Kalkulation, Allgemein

Wo kein Risiko, da keine Chance

18. Dezember 2023

Nun, da das sogenannte Sondervermögen gestrichen und die Wirtschaft vor großen Unsicherheiten über die Unterstützung für die notwendigen Transformationen steht, stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. Vielleicht hilft es da, einmal über Chancen nachzudenken statt Hindernisse zu fokussieren.

Eine nachhaltige Entwicklung lässt sich möglicherweise ja gar nicht so gut über Verbote, Regulierungen oder Subventionen erreichen. Sondern eher durch den guten alten Unternehmergeist:

Worauf kommt es an?

  1. Kosteneffizienz
  2. Risiken reduzieren
  3. Differenzierung im Wettbewerb schaffen
  4. neue Märkte und Angebote erschließen

Kosteneffizienz
Kostensteigerungen im Materialbereich machen den Betrieben zunehmend seit der Corona Pandemie zu schaffen. Bereits davor stiegen die Arbeitskosten deutlich an.

Fazit: Material und Pflanzen, machen rund 27 % der Kosten aus. Hier ist eine Reduzierung durch professionellen Einkauf und Bündelung von Einkaufsvolumen denkbar. Es ist also zu prüfen, welche Produktgruppen eingekauft werden und wie groß deren Volumen ist. Die wichtigsten Produktgruppen sollten gebündelt und Preise neu verhandelt werden. Lohnkosten machen ebenfalls rund 30 % der Gesamtkosten aus, daher ist der produktive Personaleinsatz von großer Bedeutung. Der durchschnittliche WPK-Wert (Wertschöpfungs-Personalkosten-Koeffizient bzgl. Lohn) liegt bei 2,2 und kann bei guten Betrieben durchaus auf 2,5 gesteigert werden. Das entspricht einer Kostenreduktion von 3 %. Auch die Ausstattung mit Gemeinkostenpersonal kann auf den Prüfstand gestellt werden. Die durchschnittliche Quote in Bezug auf die Gesamtkosten beträgt ca. 12 %.

Risiken reduzieren
Was wird in Zukunft teurer? Neben den bereits erwähnten Personalkosten steigen die Preise für Rohstoffe und Energie, die hohe CO2-Emissionen verursachen oder knapp werden (z. B. fossile Energieträger, Beton, Sand).

Daher sollte bereits heute vorausschauend in Produktivität und Effizienz investiert werden, um zukünftige Risiken zu reduzieren. Dabei geht es nicht unbedingt um höhere, sondern um die richtigen Investitionen. So wird es z. B. bei der Anschaffung emissionsarmer Maschinen darauf ankommen, trotz höherer Investitionskosten die Verrechnungssätze gleich zu halten oder zu senken und gleichzeitig im Wettbewerb zeitgemäße Produktionsverfahren anbieten zu können (z.B. geräuscharmes Arbeiten in Wohngebieten).

Die variablen Kosten für Fahrzeuge und Maschinen machen ca. 4 % der gesamten Betriebskosten aus. Energieeffizienz und günstige Energieträger können zu Einsparungen führen. In der Regel ist eine Investitionsrechnung hilfreich, um ggf. höhere Investitionskosten und Kosteneinsparungen in ein vernünftiges Verhältnis zu bringen. Der Zusammenhang zwischen Verrechnungssatz abzüglich variabler Kosten (ggf. inkl. fixer Kosten wie Versicherungen), Finanzierungszinsen, Nutzungsdauer und Investitionskosten muss ausgewogen sein (siehe Formel).


Wie die folgende Abbildung am Beispiel eines Laders zeigt, kann eine um 9 % höhere Investition durch Einsparungen bei den Treibstoffkosten (Effizienz bzw. günstigere Energieträger) in Höhe von 10 % gerechtfertigt werden.

Ein weiterer Risikofaktor sind die Fixkosten: Konjunkturellen Veränderungen kann nur mit wirtschaftlichen Anpassungen begegnet werden. Wer aufgrund eines großen Fixkostenblocks dazu verdammt ist, eine bestimmte Umsatzgröße zu erwirtschaften, hat das Nachsehen. Es ist daher zu hinterfragen, welche Strukturen in den letzten Jahren aufgebaut wurden, die nicht notwendig sind. Dann muss schnellstmöglich Flexibilität geschaffen werden. Der durchschnittliche Anteil der fixen Gemeinkosten (ohne Abschreibungen) an den Gesamtkosten liegt bei gut 20 % und kann durchaus um einige Prozentpunkte gesenkt werden.

Differenzierung im Wettbewerb
Risiken bestehen auch im Absatzmarkt: Daher sollte das Leistungsportfolio überprüft werden. Sind die Leistungsträger von heute noch Zugpferde der Zukunft? Sind Zierrasen, Flächenversiegelung und Poolbau noch Zukunftsmärkte? Bevor blindlings ein ruinöser Preiswettbewerb in ohnehin schrumpfenden Märkten forciert wird, kann in ein diversifiziertes und neu ausgerichtetes Angebot investiert werden.

Im Abschwung wird der Wettbewerb gerade im GaLaBau härter, weil die Leistungen austauschbar sind. Unternehmen können sich im Zweifelsfall (Gewerbe-/Privatkundenbereich) nur noch über immaterielle Ansätze (Purpose bzw. Haltung) differenzieren. Das Leitbild muss daher mit den Wertvorstellungen der Kundschaft in Einklang gebracht werden. Dies dient auch der Mitarbeitergewinnung.

Neue Märkte und Angebote
Gesellschaftliche Veränderungen, Klimawandel und Ressourcenverknappung verändern das Nachfrageverhalten der Kunden. Neben der bereits angesprochenen Frage der Risikominimierung stellt sich die Frage, welche Leistungen und Leistungsbereiche heute und in Zukunft für die Kunden interessant sind. Für den GaLaBau liegen einige Themenfelder auf der Hand, wie z. B. Wasserhaltung (Be- und Entwässerung), klimaangepasste Pflanzen und Gartengestaltung, Dach- und Fassadenbegrünung, biodiversitätsfördernde Konzepte/Dienstleistungen etc.

In den vier genannten Bereichen kann jedes Unternehmen unabhängig von Fördermaßnahmen und Vorschriften aktiv werden und damit die Weichen für eine wirtschaftlich erfolgreiche Entwicklung stellen.

NEUE LANDSCHAFT, Nachrichten und Aktuelles, 12/2023 / 01/2024

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