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Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen - Kullmann und Meinen GmbH

Allgemein

GaLaBau-Umsatz bügelt Umsatzdelle 2024 aus

13. September 2023

Erstmals hat der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) einen Branchenreport des Dienstleistungsgartenbaus herausgegeben. Auf 64 Seiten liefert er eine umfassende Gesamteinschätzung der Marktsituation seit 2001 und gibt Empfehlungen zu den Umsatztreibern des GaLaBaus. Autoren sind Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen von der Hochschule Osnabrück und Dipl.-Ing. Jens Kullmann, die gemeinsam eine Unternehmensberatung für den GaLaBau betreiben.

Der Garten- und Landschaftsbau hat sich seit zwölf Jahren daran gewöhnt, ständig zu wachsen. Seit 2013 wuchs er sogar stärker als das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP), haben Meinen und Kullmann herausgefunden. Für dieses Jahr erwarten sie jedoch einen rückläufigen GaLaBau-Umsatz und sinkende Gewinne. Für 2024 prognostizieren Meinen und Kullmann mit Hilfe einer multiplen Regressionsanalyse einen erneuten Anstieg des Umsatzes in der grünen Branche. Neben dem Bruttoinlandsprodukt als Indikator für Wohlstand wurden dabei sowohl die Reisebranche als Indikator für Freizeit und Luxus als auch die Inlandsautomobilverkäufe als Indikator für Investitionen einbezogen.

Privatgartenbereich sorgt für Stabilität

Dass dies gelingt, ist den Umsätzen im Privatgartenbereich geschuldet. Er verhilft dem Garten- und Landschaftsbau nicht nur zu stabilem Wachstum, sondern konnte in jüngster Vergangenheit immer wieder baukonjunkturelle Dellen ausgleichen. Meinen und Kullmann haben den Marktindex von Bauwirtschaft und GaLaBau zwischen 2001 und 2021 miteinander verglichen – einmal mit dem Privatgartensegment und einmal ohne. Dabei wurde deutlich, dass der GaLaBau-Marktindex ohne Privatgarten der Entwicklung der Bauwirtschaft recht genau folgte, während er mit dem Privatgartensegment die Abwärtsentwicklungen der Bauwirtschaft nicht mitvollzog.

Nicht so leicht auszubügeln ist der Fachkräftemangel. Nach den Zahlen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung drückt vor allem die Anzahl der rechnerisch nicht zu besetzenden Stellen. Sie hat sich im Garten- und Landschaftsbau seit 2011 mehr als verdoppelt, lag 2021 bis 349.821. Eine direkte Folge fehlender Fachkräfte im GaLaBau sei ein Anstieg der Arbeitskosten, erläutert Meinen. Dagegen würde vor allem eine moderne Arbeitsorganisation mit flexiblen Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, Motivation und einem guten Betriebsklima helfen. Auch Personalmarketing und Employer Branding würden wichtiger, um den „War of Talents“ zu gewinnen.

„Versteckter Markt“ Grünflächenpflege

Interessant: Der GaLaBau-Markt ist kleinteilig geblieben. Die mittleren Betriebe mit elf bis 34 Beschäftigten konnten ihren Marktanteil vergrößern. Ihr Anteil ist von 9,98 Prozent in 2014 auf 11,11 Prozent in 2022 gestiegen. Seit Krisenbeginn erhalten Pflege und Sonstige Leistungen mehr Bedeutung. Die Umsätze im Pflegebereich steigen zurzeit stärker an (+11,8%) als die Umsätze im Neubau (+2,8%). In der Pflege diagnostiziert der Report einen „versteckten Markt“. Es ist jener Teil der Grünflächenpflege, die nicht durch den GaLaBau, sondern durch Unternehmen anderer Branchen erbracht wird, zum Beispiel das Facility Management. Dieser Markt zeigt ein noch erschließbares Umsatzpotenzial für den GaLaBau. Zugutekommen, könnte der grünen Branche, dass die Kosten für Grünflächenpflege umlagefähige Kosten sind. Vermieter von Mehrfamilienwohnhäusern könnten deshalb eher bereit sein, diese Dienstleistungen auch in Zeiten hoher Zinsen und Beschaffungskosten weiter zu beauftragen, solange die Nachfrage nach Mietwohnungen hoch bleibt.

Als strategische Markttreiber der Branche sehen Meinen und Kullmann den Klimawandel und die daraus resultierende Notwendigkeit der Klimaanpassung. Der Branchenreport sieht Chancen für den Garten- und Landschaftsbau bei der Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen, beispielsweise von Bewässerungstechnik und Pflanzen, die Trockenheit vertragen, aber auch Drainagekonstruktionen für Starkregenereignisse. Das korrespondiere mit einer Nachfrage nach nachhaltigen GaLaBau-Leistungen wie der Dachbegrünung. Denn Umweltbewusstsein sei von einem individuellen Lifestyle zu einer gesellschaftlichen Bewegung geworden und die Klimakrise zur Grundlage einer neuen globalen Identität.

Neue Garten-Zielgruppe: LOHAS

Meinen und Kullmann erwarten, dass die ursprüngliche GaLaBau-Zielgruppe für Luxus im Privatgartenbereich zunehmend zerfällt. Mit den Menschen, die einen Lifestyle of Health and Sustainability (LOHAS) pflegen, sei „eine zahlungskräftige und für das Konzept offene Gruppe von Konsument*innen definiert worden“. Innerhalb des Fragmentierungsprozesses zeichne sich eine wachsende Akzeptanz und Befürwortung des Nachhaltigkeitsprinzips ab, die in ein Bedürfnis nach entsprechenden Konsumformen mündet. Deshalb stelle Nachhaltigkeit keinen zusätzlichen Aspekt wirtschaftlichen Handelns dar, sondern werde zum Kern des eigenen Selbstverständnisses. cm/ BGL/ Kullmann und Meinen GmbH

NEUE LANDSCHAFT, Nachrichten und Aktuelles, 9/2023


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