Diese Frage klingt vor dem Hintergrund fortwährender Spitzenprognosen für die Baubranche fast weltfremd. Laut Ifo-Institut befindet sich aber das exportorientierte, verarbeitende Gewerbe bereits in der Rezession. Und wer den Immobilienzyklus kennt und weiß, dass die aktuelle Konjunktur im Wesentlichen durch den Konsum getragen wird, der muss sich fragen, wie lange die Hochphase noch anhält. Eine Konjunktureintrübung wird vor allem den umsatzverwöhnten Privatgartenbereich treffen.

Nach der GaLaBau-Statistik 2018 des Bundesverbands Garten- Landschafts- und Sportplatzbau e.V. beträgt der Anteil an der Leistung für den privaten Endverbraucher im Jahr 2017 stolze 60% am Gesamtumsatz der Branche. Die Sparkassenfinanzgruppe zeigt dabei für 2017 eine durchschnittliche Umsatzrendite von rund 6% nach Abzug des Unternehmerlohns. Das ist zwar deutlich besser als noch vor 15 Jahren, aber die Auswirkungen einer Konjunktureintrübung für den Galabau wären immens.

Man stelle sich ein durchschnittliches GaLaBau-Unternehmen vor, das eine Umsatzverteilung nach Kundengruppen aufweist, wie sie die GaLaBau-Statistik zeigt. Also im wesentlichen Privatgarten und weniger als die Hälfte Gewerbe- und öffentliche Kundschaft. Ein solcher Durchschnittsbetrieb muss typischerweise einen Fixkostenblock von rund 23%, bezogen auf die Leistung, decken.

Betrachten wir einmal nur die Leistung im Privatgarten. Wenn dort die Hälfte des Umsatzes aufgrund einer Konjunktur- und vor allem Konsumschwäche wegfällt, würde das Ergebnis von aktuell rund 6% auf minus 3% fallen. Bei einer durchschnittlichen (für den Bau recht gesunden) Eigenkapitalquote in Höhe von knapp 19% und einem Kapitalumschlag von 1,7 ist also nach ca. vier Jahren Schluss und die vorhandene Substanz aufgebraucht. Soviel Zeit bleibt maximal, um das Unternehmen an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Hierbei ist der Umsatzrückgang bei Gewerbekunden noch nicht berücksichtig. Die Öffentliche Hand wird hingegen versuchen, das Projektvolumen möglichst nicht zurückzufahren oder ggf. zur Stützung aufzustocken.

Was ist also zu tun? Im Finanzbereich heißt das Zauberwort „Fungibilität“, das bedeutet, Vermögen beweglich zu halten, um An- und Verkäufe je nach Marktlage schnell umsetzten zu können. Zudem sollten die Fixkosten niedrig bleiben. Letztlich hilft eine gute Eigenkapitalbasis dabei, auch einmal eine längere Durststrecke durchstehen zu können.

Leider ist festzustellen, dass nicht alle Betriebe die Hochphase dazu nutzen, um ihre Finanzen auf Vordermann zu bringen.

Die häufigsten Gründe für Zahlungsausfall sind laut Sparkasse übrigens eine falsche Investitionspolitik und zu hohe Kosten. Wer also auf Gedeih und Verderb auf einen hohen, profitablen Umsatz angewiesen ist, um z.B. das schicke und etwas überdimensionierte neue Firmengebäude betreiben zu können, der hat das Vermögen weder fungibel gehalten, noch die Fixkosten minimiert. Auch den Maschinenpark sollte man sich einmal genauer ansehen.

Noch ist der Abschwung im GaLaBau nicht spürbar, zur Vorbereitung bleibt also noch (etwas) Zeit.

[Autor: Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen]