Eine der unternehmerischen Hauptaufgaben ist aktuell die Liquidität zu sichern. Seit Beginn der letzten Woche machen viele Unternehmen das einzig Richtige und rechnen jegliche Leistungen ab, welche bisher – häufig aufgrund von Zeitmangel – nicht gestellt wurde. Jedes Unternehmen muss jetzt schauen, in den nächsten Monaten liquide zu bleiben und somit die Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten. Damit Sie in im Bereich der Liquidität einen kleinen Überblick bekommen, haben wir Ihnen die folgende Checkliste zusammengestellt und bedenken Sie bitte dabei, dass in Krisenzeiten „Liquidität vor Ertrag“ geht. Auch wenn Sie aktuell noch recht normal arbeiten können, stellen Sie in der nächsten Zeit die Liquiditätserhaltung in den Vordergrund.

1. Abrechnung:
a. Offene Schlussrechnungen stellen,
b. wöchentlich Abschlagsrechnungen in maximaler Höhe stellen,
c. Material, welches schon für zukünftige Projekte auf Lager liegt bzw. angezahlt ist, auch den Kunden in Rechnung stellen
d. Vorauskasse mit den Auftraggebern aushandeln (meist jedoch nur im Privatgartenbereich möglich)

2. OP-Listen:
a. Die offenen Forderungen durchgehen und die überfälligen Rechnungen mahnen. Im besten Fall persönlich bzw. per Telefon, dies hat in den meisten Fällen mehr Erfolg als eine Mail oder ein Brief.
b. Bei schon größerem Liquiditätsengpass: Für Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten möglichst eine Vereinbarung über die Zahlungsmodalitäten treffen, z.B. Ratenzahlungen.
c. Generell evtl. die Zahlungsmodalitäten mit den Lieferanten neu verhandeln, bzw. die vorhandenen Zahlungsspielräume nutzen und im Zweifel auch auf Skonti verzichten.

3. Fixkosten:
a. Sofern keine Ergebnisplanung besteht unbedingt schon mal eine Übersicht zu den Fixkosten (Mietkosten, Telefon, Handy, Strom, Kfz-Kosten, Wartungs- bzw. Leasingverträge etc.) erstellen. Dann hat man hier bei Bedarf schneller einen Überblick über die Situation im Unternehmen und kann auch schon mal einen Überblick bekommen in welchem Bereich mögliche Einsparungen erzielt werden können.

4. Ergebnis- und Liquiditätsplanung:
a. Dies ist aktuell ein unverzichtbares Instrument zur Steuerung der nächsten Monate. Sollten Sie noch keine Ergebnisplanung haben, holen Sie auch dies nach, denn dies ist die Grundlage für die Liquiditätsplanung.

5. Unternehmensfinanzierung:
a. Auch wenn Skonto gegenüber Kunden eher schlecht für das Ergebnis ist, prüfen, welche Angebote möglich sind. Dies ist gerade in Zeiten höherer Ergebnisse zur Schaffung von Liquidität ein hilfreiches Mittel. Besonders im
Bereich Privatgarten lassen sich bei Auftragsunterzeichnung Vorauszahlungen bis zu 50% vereinbaren.
b. Prüfen, welches Vermögen liquidiert oder umgeschichtet werden kann (Lagerbestände, welches Vermögen ist betriebsnotwendig?, vor allem wenig genutzte Maschinen verkaufen und statt dessen mieten, Maschinen verkaufen und zurückleasen).
c. Prüfen, ob statt Sicherheitseinbehalten auch Bürgschaften möglich sind.
d. Schon einmal mit der Bank Kontakt aufnehmen und z.B. ggf. Kontokorrentrahmen erweitern, Bankenreporting optimieren, um Gesprächsbereitschaft zu erhalten. In diesem Zusammenhang die Bilanzkennzahlen prüfen, um möglichst optimal im Kreditfall aufgestellt zu sein. Denn selbst bei den aktuell stark durch öffentliche Bürgschaften unterlegten Kredite verbleibt ein Restrisiko bei der Hausbank.

6. Was kann ich noch tun:
a. Lager ggf. herunterfahren / optimieren
b. Investitionsplanung überprüfen und ggf. Investitionen verschieben

Parallel zu den liquiditätssichernden Maßnahmen sollten Sie aber auch schon über die kommenden Tage/Wochen hinausschauen und möglichst viele Vorbereitungen treffen. Hierzu sehen wir die folgenden drei Punkte für zwingend notwendig:

1. Halten Sie aktuelle Zahlen vor:
a. BWA inkl. SummenSaldenListe 2019
b. Im besten Fall schnellstmöglichst den Jahresabschluss 2019 durch das Steuerbüro erstellen lassen
c. Aktuelle BWA erstellen lassen, sprich jetzt besonders dafür sorgen, dass bis Mitte des Folgenmonats die BWA des Vormonats fertig ist.

2. Planung 2020:
a. Kreditgeber entscheiden immer auf Grundlage von Planzahlen, deshalb sollte spätestens jetzt eine Planung (Ergebnisplanung und Liquiditätsplanung!) vorliegen.
b. Wenn schon eine Planung für 2020 existiert, sollte für die Liquiditätsplanung eine Ergebnisplanung „Szenario Corona“ erstellt werden und darauf aufbauend eine entsprechende Liquiditätsplanung.

3. Ziele/Vorstellungen entwickeln:
a. Auswirkungen einer möglichen Rezession: Wann wird ein Konjunktur-Rückgang sich bei Ihnen in sinkender Nachfrage nach Angeboten und Umsatz bemerkbar machen?
b. Welche Gemeinkosten können wir reduzieren? Variable Kosten sinken im Zweifel automatisch mit der verringerten Leistung. Vor allem aber bei den Fix-Kosten sollten wir ein Augenmerk legen. Welche Ausgaben, die Sie eigentlich gar nicht mehr benötigen, können gekündigt werden?
c. Neben den ersten liquiditätssichernden Maßnahmen (siehe oben) sollten Sie auch ein Gerüst für eine stabile Unternehmensfinanzierung entwickeln.
d. Aus allen abgeleiteten Maßnahmen sollten Sie nun ein entsprechenden Maßnahmenplan entwickeln und sich Prioritäten bzgl. der Umsetzung entwickeln

Wir wünschen Allen unseren Kunden, Interessenten und Partnern eine gesunde Zeit und achten Sie trotz allem Trubel auf sich, Ihrer Familie und Freunde.

Jens Kullmann und Heiko Meinen
Kullmann und Meinen GmbH